Android 4.2: Tastatur zensiert Schimpfwörter, Schweinkram & Harmloses

Google macht in Jugendschutz. Unter Android 4.2 sind bestimmte Wörter beim Schreiben über die neue Wischfunktion in der Standard-Tastatur gesperrt , auch ein nachträgliches Hinzufügen ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Neben anstößigen Begriffen sind auch Wörter betroffen, die eher selten in pornographischen oder diskriminierenden Kontexten verwendet werden.

Seit Android 4.2 Jelly Bean besitzt die Standard-Android-Tastatur die Möglichkeit, per Wischbewegungen zu schreiben, eine beliebte Eingabeart seit Swype und dessen unzähligen Nachahmern. Im Gegensatz zur Konkurrenz besitzt die Standard-Tastatur von Android jedoch eine merkwürdige Eigenheit.

Wie Blogger moeffju gestern in seinem Blog schrieb, sind im Wörterbuch bestimmte anrüchig klingende Wörter nicht vorhanden und werden somit nicht geschrieben, wenn man sie per Wischgeste einzugeben versucht. Selbst wenn sie „gelernt“ werden, stehen zukünftig dennoch nicht automatisch zur Verfügung.

Auf der Sperrliste der Begriffe stehen einige Obszönitäten und Bezeichnungen von Minderheiten. Pikant: Es sind auch Wörter enthalten, die doppeldeutig sind und durchaus auch einen unschuldigeren Zusammenhang besitzen können. Darunter solche wie „kommen“, „Latte“, „böse“, „extrem“ oder „Schritt“. Wenn man also mit einem extrem heißen Latte Macchiato in der Hand mit jemandem Schritt halten will und dabei böse in die Bredouille zu kommen droht, wird man große Probleme dabei haben, dieses Erlebnis per SMS zu teilen. Die komplette Liste aller deutschen Sperrwörter findet man in diesem Gist.

Wohlgemerkt: Diese Wörter sind durchaus im Wörterbuch vorhanden, das heißt sie werden beim regulären Tippen nicht als Fehler angemahnt, nur sind sie im Android-Code speziell als anstößig markiert. Das bedeutet, dass man die Begriffe nicht per Wischbewegung schreiben kann und diese auch nicht als mögliches nächstes Wort vorgeschlagen werden.

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Wörter dennoch hinzufügen: So geht’s

Man kann, wie moeffju herausfand, jene Wörter dennoch nachträglich in sein Benutzerwörterbuch eintragen. Die Lösung besteht darin, das Wort bewusst falsch zu schreiben, z.B. „xommen“ statt „kommen“, die Option „Zum Speichern berühren“ zu wählen und dann richtig einzugeben. Ferner kann man unter EinstellungenSprache & Eingabe -⇒ Persönliche WörterbücherDeutsch und einen Tap auf die „+“-Schaltfläche das Wort händisch hinzufügen.

Das ist natürlich denkbar unkomfortabel und man fragt sich unwillkürlich, welchen Zweck Google mit dieser rigiden Sprachpolitik für die AOSP-Tastatur verfolgt. Denn selbst in Kulturen wie der US-Amerikanischen, die viel Wert auf Sprachhygiene legen, wäre es absolut ausreichend, anstößiges Vokabular einfach aus dem Standard-Wörterbuch zu löschen, eine zusätzliche Sperrung ist ein bisschen wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Wir hoffen, dass Google diesen Mechanismus wieder entfernt. Denn Android ist ja schließlich nicht umsonst, so wusste schon Steve Jobs, das Smartphone-OS für Menschen mit Porno-Vorlieben.

Randnotiz: Vor ziemlich genau einem Jahrzehnt gab es einen kleinen Skandal mit umgekehrten Vorzeichen. Da wurde nämlich bekannt, dass das Wörterbuch des Handy-Texteingabesystems T9 ein verblüffendes Repertoire an Nazi-Vokabular enthielt. So dreht sich der Wind.

Wie findet ihr die Sperrwörter-Funktion der AOSP-Tastatur? Ab mit eurer Meinung in die Kommentare.

Quellen: moeffju [2] (via mspro, thx Lukas)

Geschrieben von am 11.02.2013, 16:50 Uhr